Promovendin:
Hendrikje Hartung

Arbeitsbereich:
Skandinavistische Mediävistik

Betreuer:
Prof. em. Dr. Hans Fix-Bonner, Prof. em. Dr. Andrea de Leeuw van Weenen

Arbeitstitel: „Maríu saga egipzku. Edition, Übersetzung, Textgrammatik, lemmatisierter Index.“

Abstract:

Unter dem Titel Maríu saga egipzku werden die altnordischen Prosafassungen der Legende der Heiligen Maria Aegyptiaca zusammengefasst, die zu einem der am weitesten verbreiteten hagiographischen Texte des europäischen Mittelalters gehört. Dabei handelt es sich um sieben Handschriften(-fragmente), die in einen Zeitraum von der Mitte des 13. Jh.s bis in die Mitte des 15. Jh.s datieren und die bisher nur in den Heilagra manna sögur (Carl Richard Unger, 1877) und als Teil der Marienwunder in der Maríu saga (Carl Richard Unger, 1871, Kap. 142) ediert vorliegen. Hinzu kommt eine Legendenversion in Versform in den Strophen 14-16 der Heilagra meyja drápa, die zuerst von Finnur Jónsson in Den norsk-islandske Skjaldedigtning (1912-1915) sowie von Kirsten Wolf in der von Margaret Clunies Ross herausgegebenen Reihe Skaldic poetry of the Scandinavian Middle Ages (2007) ediert wurde.

Ziel der Arbeit ist es, sich mit der Neuedition der Legende näher am Handschriftenbefund zu orientieren und diesen durch eine buchstabengetreue Textausgabe sichtbar und besser zugänglich zu machen, als das in Anbe­tracht des Zustandes einiger Handschriften selbst durch digitalisierte Fotos der Fall sein kann. Dabei werden die Handschriftentexte parallel abgedruckt, um sowohl lexikalische als auch grammatische, syntaktische und morpho­logische Abweichungen sichtbar zu machen und so die Evolution der Legende und der verwendeten Sprachform über einen Zeitraum von 200 Jahren nachzuvollziehen.

Weiterhin wird das elektronisch erfasste Korpus in einem lexikalischen Index und einer defektiven Textgrammatik so dargestellt, dass ein Abgleich mit in anderen Handschriften verwendeten Wortformen und Schreibweisen mög­lich ist, um den Zugriff auf das im Altwestnordischen tatsächlich vorhandene Sprachmaterial zu vergrößern.

Mit Hinblick auf die Zugänglichkeit des Legendentextes für komparatistische Zwecke soll die Arbeit darüber hinaus eine deutsche Übersetzung bieten, da die Maríu saga egipzku bisher nur einmal in einer modernen Fremd­sprache, nämlich im Dänischen, und hier ausschließlich als Übersetzung einer der jüngeren Handschriften, Holm. perg. 2 fol, aus der 1. Hälfte des 15. Jh.s, vorliegt.