Promovendin:
Laura Zieseler

Arbeitsbereich:
Skandinavistische Sprachwissenschaft

Betreuer:
Prof. Dr. Christer Lindqvist

Arbeitstitel: Was nicht passt, wird passend gemacht? – Zur Integration nicht-nativer Nomina im Färöischen

Abstract:

Als inselnordische Sprache verfügt das Färöische im Vergleich zu den festlandskandinavischen Sprachen über komplexe nominale Flexionsparadigmen. Bei direkten Entlehnungen führt diese Komplexität zu einem entsprechend vielschichtigen Integrationsprozess. Dabei wurde in früheren Studien festgestellt, dass Nomina mit bestimmten phonologischen und/oder graphemischen wortfinalen Strukturen in traditionellen schriftlichen Medien unflektiert blieben, obschon entsprechende Flexionsformen im mündlichen Sprachgebrauch durchaus vorkommen.

Im Kontext der bisher gänzlich unbeachteten computervermittelten Kommunikation findet sich jedoch eine große Dichte an Belegen für kreative ad-hoc-Strategien zur Lösung der im Spannungsfeld zwischen Orthographie, Phonologie und Morphologie entstehenden Konflikte. Mitunter werden diese sogar Gegenstand metasprachlicher Reflexion seitens der Sprachnutzer.

Tendenziell ist bei den nicht-nativen Nomina im weniger normierten Raum der computervermittelten Kommunikation eine Entwicklung weg vom für die inselnordischen Sprachen typischen synthetischen hin zu einem mehr an das Dänische erinnernden, agglutinierenden Flexionsmuster zu beobachten. Auch ist die häufig festzustellende Markierung der Morphemgrenzen mittels des in der Regel stummen Graphems <ð> bemerkenswert.

Hierbei lohnt sich zudem ein vergleichender Blick in die skandinavischen Nachbarsprachen,  deren sprachpolitisches Spektrum sich zwischen den Extrempunkten des isländischen Purismus und des dänischen Liberalismus aufspannt.

Der Frage, wie unterschiedliche innersprachliche (v.a. orthographische Tiefe, Grammatik, Lautstrukturen, Mehrsprachigkeit) und außersprachliche (v.a. Sprach- und Sprecherkontakt, Sprachideologie, mediale Produktions- und Rezeptionsbedingungen) Faktoren diesen Integrations- und Sprachwandelprozess steuern, wird in diesem Dissertationsprojekt u.a. korpusbasiert nachgegangen.