Promovend:
Philipp Wagner

Arbeitsbereich:
Skandinavistische Literaturwissenschaft

Betreuer:
Prof. Dr. Joachim Schiedermair

Arbeitstitel: Ostseeinseln als literarische Borderlands. Subjekt- und Identitätskonzepte in skandinavischer Literatur ab 1900

Abstract:

Inseln nehmen einen ambivalenten Platz in der europäischen Literatur- und Kulturgeschichte ein. So können sie u.a. als Orte der Zuflucht oder des Arrests – im Fall der Robinsonade sogar als beides –, sowie der Utopie oder Dystopie imaginiert werden. Im Sinne der Inseln der Seligen stellen sie zudem oft ‚jenseitige’ Orte innerhalb von religiösen Glaubenssystemen dar. Diese Ambivalenz ist eng mit der Geschichte des Kolonialismus und dessen westwärts expandierenden Grenzziehungen in der Neuzeit verbunden. Entsprechend wurden Inseln von der Literaturwissenschaft bisher aus einer postkolonialen Perspektive betrachtet, die vor allem Inseln im Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean thematisierte. Dabei wurde eine enge Verbindung von geographisch-faktualen und literarisch-fiktionalen Beschreibungen festgestellt, wobei Inseln zu Orten des ‚Anderen’ stilisiert wurden.

Das Dissertationsprojekt hat zum Ziel, diesen Zusammenhang von fiktionalen und faktualen Texten für Inseln des Ostseeraums zu untersuchen. Die vermeintliche geographische Nähe dieser Inseln zum europäischen literarischen Publikum entspricht nicht zwangsläufig einem geringeren imaginativen Potenzial, wie neue historische Forschung zur Entwicklung starker Regionalidentitäten im Sinne vorgestellter Gemeinschaften auf den fünf größten Ostseeinseln zeigt. Welche Rolle spielen literarische Texte bei der Übertragung und Umformung von Vorstellungen von Inseln als ‚idealen’ Orten für Selbst- und Fremd-Bestimmungen?