Promovendin:
Thekla Musäus

Arbeitsbereich:
Literaturwissenschaft, finnische und russische Literaturgeschichte

Betreuer:
Prof. Dr. Marko Pantermöller

Einladung zur Disputation
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Das Karelienbild in der finnischen und sowjetischen Literatur 1930-1957

Abstract:

Die Erkenntnis, dass der Ort literarischer Handlung nicht nur Kulisse für die zeitliche Abfolge von Geschehnissen, sondern konstituierend für die literarische Gesamtaussage eines Werkes und eng verflochten mit seinen zeitlichen Aspekten ist, ist bereits mit der Veröffentlichung von Bachtins Thesen über den Chronotopos ins literaturwissenschaftliche Bewusstsein gerückt. Spätestens seit dem „Spatial turn“ in den Kulturwissenschaften der 1990er Jahren ist in den Literaturwissenschaften der Frage nach der Relevanz des literarisch dargestellten Raumes im inhaltlichen, strukturellen und literaturhistorischen Gesamtgefüge eines Werkes verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt worden.

Als ein spezieller „Erinnerungsort“ nach Pierre Nora ist Karelien als historisches und kulturelles Grenzgebiet in der finnischsprachigen und der russischen Literatur seit der Epoche der Romantik zu einem symbolisch aufgeladenen Raum geworden. Insbesondere der Frage nach dem Fortwirken und den Brüchen zwischen literarischen Epochen und dem möglichen kulturellen Einfluss über die ideologische Grenze zwischen dem kapitalistisch-westlichen Finnland und der kommunistischen Sowjetunion hinweg soll bei der Analyse dieses Phänomens Aufmerksamkeit geschenkt werden. Unter der Berücksichtung des kultursemiotischen Modells der „Semiosphäre“ nach Jurij Lotman und der Hinzunahme postkolonialer Forschungsansätze wie des Hybriditätskonzepts Homi K. Bhabhas steht der literarische Raum in der sowjetischen und finnischen Belletristik mit karelischer Thematik des Zeitraums 1930 bis 1950, aus der ideologischen Konfrontationszeit vor und nach dem zweiten Weltkrieg bis zur sowjetischen „Tauwetterperiode“ im Untersuchungszentrum.