Promovendin:
Claudia Nierste, M.A.
Betreuer:
Prof. Dr. Marko Pantermöller
Arbeitsbereich:
Fennistische Sprachwissenschaft
(IRTG Baltic Peripeties)
Narrative der finnischen Neutralität. Diskurslinguistische Perspektiven auf Sprachgebrauch, Bedeutungswandel und diskursive Umbrüche
Abstract
Das Promotionsprojekt behandelt Konzept und Entwicklung der außenpolitischen Neutralität Finnlands von der Unabhängigkeitserklärung 1917 bis zum NATO-Beitritt 2023 aus diskurslinguistischer Perspektive. Da die finnische Neutralität nie (wie etwa im Fall der Schweiz) gesetzlich fixiert war, hat sie im Untersuchungszeitraum unterschiedliche Ausgestaltungen erfahren – von einer passiven Konfliktenthaltung in Kriegs- und Bündnisfreiheit in Friedenszeiten bis zur aktiven Vermittlerrolle und Soft Power in internationalen Konflikten, die Finnland das Image eines geschickten Verhandlers sowie Vertrauen, Glaubwürdigkeit und letztendlich größere außenpolitische Handlungsspielräume verschaffen sollte. Die Ausgestaltungen der finnischen Neutralitätspolitik sind bisher vor allem geschichts- und politikwissenschaftlich erforscht worden. Eine systematische Untersuchung des Sprachgebrauchs im Zusammenhang mit dem Begriff der Neutralität steht dagegen bisher noch aus. Jedoch spielt gerade der Sprachgebrauch im gesellschaftlichen Diskurs eine wesentliche Rolle bei der Konstruktion, Etablierung und Aushandlung von Bedeutungen und Narrativen. Ziel meines Projektes ist es daher, diese Forschungslücke zu schließen, indem ich den Diskurs zur finnischen Neutralität mithilfe der Diskurslinguistische Mehrebenenanalyse (DIMEAN) nach Spitzmüller und Warnke untersuche. Anhand eines Korpus von Leitartikeln und Zeitungskommentaren soll eine quantitative Korpusanalyse von statistisch auffälligen Sprachgebrauchsmustern verbunden werden mit einer qualitativen Analyse von Schlüsseltexten, die dominante Diskursstränge und deren Gegenstimmen repräsentieren, und so der Bedeutungswandel sowie die Kontinuitäten und Umbrüche der Narrative im Zusammenhang mit dem Begriffsgebilde der finnischen Neutralität offengelegt werden. Besonderes Interesse gilt dabei den Positionierungen und Erwartungen bezüglich der Rolle Finnlands innerhalb des Ostseeraums und Europas sowie der Rolle des Neutralitätsnarrativs im Kontext der finnischen Nationalidentität.