Arbeitskreise
Hier finden Sie eine Übersicht über die Arbeitskreise der ATdS 2026. Anmeldungen für die Arbeitskreise werden bis zum 30.04.26 per E-Mail an die jeweilige AK-Leitung erbeten.
Leitung: Judith Meurer-Bongardt (Universität Bonn / Åbo Akademi) | Philipp Wagner (Universität Wien) | Anton Matejicka (Universität Wien)
Kontakt: philipp.wagnerunivie.acat
Unsere Gegenwart wird zunehmend als eine Epoche im Zeichen der Polykrise erzählt. Krisenhafte Entwicklungen in den Bereichen Ökologie, Ökonomie, Politik und Gesellschaft häufen sich und treten zeitlich überlappend auf. In diesem Arbeitskreis wollen wir den in verschiedenen Diskursen auftauchenden Begriff der Polykrise literaturwissenschaftlich erschließen. Hiermit reihen sich unsere Auseinandersetzungen in die wachsende Literatur zur Verschränkung von Polykrise und Literatur ein (Kuznetski et al. 2025). Das literaturwissenschaftliche Potenzial des Begriffs ergibt sich unseres Erachtens daraus, dass literarische Texte aufgrund ihrer Interdiskursivität sowohl strukturell als auch inhaltlich mehrere Krisen zugleich erzählen können. Es gilt daher das Erzählen der Häufung und zeitlichen Überlappung unterschiedlicher Krisen in den Blick zu nehmen. Entsprechend
möchten wir auch sondieren, wie sich Polykrisenerzählungen und das mit ihnen verbundene Konzept der Kipppunkte zum Konzept des für Krisenerzählungen typischen Wendepunkts (Schiedermair 2025) verhalten. Um den historischen Bogen einzugrenzen, wollen wir uns auf die Gegenwartsliteratur seit den 1970er-Jahren beschränken, da gerade dieses „Jahrzehnt der Verunsicherung“ (Sarasin 2021) als Beginn der Gegenwart angesehen werden kann.
Im Arbeitskreis diskutieren wir die folgenden Fragen: Mit welchen erzählerischen und ästhetischen Mitteln wird die Polykrisenhaftigkeit gestaltet? Wie werden ökologische, ökonomische, politische und soziale Krisen mit privaten Krisen im literarischen Erzählen verschränkt? Inwiefern werden literarische und künstlerische Verfahren angesichts von Polykrisenhaftigkeit, insbesondere derjenigen des Anthropozäns, modifiziert? Bringt die Interdependenz der Teilkrisen in einer Polykrise neue Erzählweisen hervor?
Leitung: Elizabeth Blicher (EUF) | Markus Christensen (EUF) | Anders Dam (EUF)
Kontakt: anders.damuni-flensburgde
Der Traum hat im Laufe der Jahrhunderte als zentrales Motiv und Erkenntnisraum in der nordischen Literatur fungiert – von den mythischen und prophetischen Träumen der mittelalterlichen Sagas und den tiefen Traumvisionen der Volksballaden über die Romantik und den Symbolismus, in denen der Traum als Zugang zur Poesie und Metaphysik gefeiert wird, bis hin zu den surrealistischen Erkundungen des „untersten Landes“ des Unbewussten, den psychologischen und existentiellen Traumbildern der modernen Literatur sowie den traumartigen Texten der spekulativen Literatur. In den letzten hundert Jahren haben auch nordische Filmregisseure den Traum auf originelle Weise als wesentliches Element des filmischen Ausdrucks erforscht. Im Arbeitskreis Träume in der nordischen Literatur und im Film wird der Traum sowohl in literarischen als auch in filmischen Werken untersucht. Der Traum ist dabei nicht nur ein Motiv der Dichtung und des Films, sondern hat auch formale Konsequenzen: Eine spezifische Schreib- und Bildästhetik entsteht, wenn versucht wird, den Traum in seiner fließenden, flimmernden Flüchtigkeit darzustellen. In diesem Arbeitskreis wollen wir Texte und Filme diskutieren, in denen der Traum einen Zwischenraum zwischen Wirklichkeit und Imagination eröffnet und die Grenzen zwischen Bewusstem und Unbewusstem überschreitet. Die Analyse literarischer und filmischer Werke wird mit theoretischen Perspektiven verbunden, um die Rolle des Traums als literarische Figur und als Erkenntnisform zu beleuchten. Die Beiträge im Arbeitskreis Träume in der nordischen Literatur und im Film beschäftigen sich mit der besonderen Form der Wirklichkeitsüberschreitung des Traums und überschreiten Epochen-, Gattungs- und Theoriegrenzen.
Sprachen: Deutsch, Englisch oder eine der nordischen Sprachen.
Leitung: Burkhard Bärner (Universität Wien) | Birgit Ortmayer (Universität Wien)
Kontakt: burkhard.baernerunivie.acat
Wie auch in den letzten Jahren soll der sprachwissenschaftliche Arbeitskreis allen offen stehen, die sich mit sprachlichen Phänomenen befassen. Da dieses Mal auch ein spezifischer Arbeitskreis zu historischer Linguistik angeboten wird, stehen in diesem Arbeitskreis Themen der neueren bzw. allgemeinen Sprachwissenschaft im Vordergrund.
Neben Vorträgen zu den skandinavischen Sprachen sind auch Beiträge zu anderen Sprachen aus dem Ostseeraum willkommen. Die Vorträge können auf Deutsch, Englisch und in den skandinavischen Sprachen gehalten werden.
Der Arbeitskreis soll nicht nur Forschenden Gelegenheit bieten, ihre Projekte vorzustellen, sondern auch Studierenden. Es können daher neben Forschungs- und Promotionsprojekten auch Master- und Bachelorarbeiten vorgestellt werden, für die ggf. ein kürzeres Vortragsformat genutzt werden kann.
Vortragsformate:
- Vorträge zu jeweils 20min zzgl. 10min Diskussion im Anschluss
- Kurzvorträge zu 10min zzgl. 5min Diskussion im Anschluss
Leitung: Gudrun Samberger (JMU Würzburg) | Ramón Boldt (FAU Erlangen-Nürnberg)
Kontakt: ramon.boldtfaude
In den letzten Jahren erwies sich die ältere nordgermanische Sprachgeschichte als lebendiges Forschungsfeld, das neue Impulse aus verschiedenen Richtungen erfahren hat. Wir laden Forschende aus drei Teilbereichen der älteren nordgermanischen Sprachgeschichte ein, ihre aktuelle Forschung vorzustellen.
Zum einen hat sich die Runologie in den letzten Jahren wegen teils spektakulärer Neufunde (Rakkestad; Svingerud / Hole 3) sowie wichtiger Publikationen mit konsolidierendem Charakter (etwa Düwel, Klaus† & Robert Nedoma. 2023: Runenkunde. Stuttgart) enorm produktiv gezeigt. Traditionell führen die Forschungsstränge der Runologie und der altgermanistisch-historischen Sprachwissenschaft aber oft separierte Eigenleben, obwohl die Wichtigkeit neuer Runenfunde für die Sprachgeschichtsschreibung kaum überschätzt werden kann.
Zum Aufwind, den die Runologie in den letzten Jahren erfahren hat, treten zweitens neue methodische Ansätze zur Erforschung des älteren Nordgermanischen aus den Digital Humanities. Während solche Ansätze für andere Gebiete der germanischen und allgemeinen Sprachgeschichte seit einigen Jahren diskutiert werden, ist die nordgermanische Sprachgeschichtsschreibung von dieser Entwicklung bisher kaum ergriffen worden. Der Arbeitskreis soll dazu Gelegenheit bieten.
Schließlich bleibt auch die klassische sprachhistorische und etymologische Forschung unverzichtbar. Instruktiv dafür ist, dass das letzte umfassende etymologische Wörterbuch des Altnordischen (de Vries, Jan. 1977: Altnordisches etymologisches Wörterbuch. Leiden) fast 50 Jahre alt ist und als veraltet gelten muss. Der veraltete Wissensstand spiegelt sich auch in der weiterhin maßgeblichen Grammatik des Altnordischen, der Altisländischen Grammatik von Adolf Noreen (1923), die mit 100 Jahren noch älter ist.
Leitung: Felix Bidder (LMU München) | Daniela Hahn (LMU München) | Joachim Schiedermair (LMU München)
Kontakt: felix.biddercampus.lmude
Hausrat, Aussteuer, Plunder, Nachlass, Fotoalbum, Muttermal, Ahnengalerie, Stammbaum, Chronik, Grabbeigabe, Testament, Wappen, Adoptionsurkunde, Gendefekt, Bibliothek, Leichenschmaus, Schmuck, Tafelsilber, Kinderzeichnung, Lastenfahrrad, Brettspiel, Hochzeitstorte, Minivan, Bankschließfach, Schatztruhe:
Ausgehend von einem Verständnis der Familie als sozialer Institution, die nicht gegeben ist, sondern sich ihres inneren Zusammenhalts und ihrer kulturellen Selbstverständlichkeit immer wieder versichern muss, interessiert sich der Arbeitskreis dafür, welche Rolle der Umgang mit Dingen und Dinghaftem in diesem ‚doing family‘ spielt. Im Zentrum steht dabei zum einen das Erfassen des Materialbestandes, der in literarischen Texten Familien umgibt und in dem sich Verwandtschaft materialisiert, wie auch das Nachverfolgen der Wege, die dieses Inventar innerhalb familiärer Sphären zurücklegt. Unmittelbar daran angeschlossen sind Fragen nach den Mechanismen, die Aneignung, Verteilung und Weitergabe von Familiendingen regeln (z.B. Gabe, Geschenk, Erben) sowie den erzählerischen Strategien, die diese Dinge auslösen: Bestehen Verbindungen zwischen Dingen und bestimmten Modi der Familienerzählung (z.B. Genealogien, Erinnerung)? Inwieweit erfolgt die Strukturierung familiärer Räume (z.B.: innen/außen, privat/öffentlich) und Zeiten (z.B.: Hochzeit, Bestattung) über das Dinghafte? Aber auch: Wie stört die Prä- oder Absenz von Dingen (und Undingen) das Familiengefüge?
Der Arbeitskreis richtet sich ausdrücklich an Forschende sowohl aus der Neu- wie auch aus der Altskandinavistik.
Leitung: Lill-Ann Körber (Universität Göttingen), Maria Looks (Universität Göttingen) | Swantje Opitz Universität Göttingen | Hanna Rinderle (Universität Göttingen / HU Berlin)
Kontakt: hanna.rinderlehu-berlinde
In recent years, interest in Sámi topics has grown across German-speaking countries. This is evident in translations of contemporary Sámi literature, such as works by Ann-Helén Laestadius (2022; 2024) and Elin Anna Labba (2025), as well as in popular media and discussions on Europe’s Indigenous perspectives. This interest is linked to a longer history of “collecting” materials, objects, bodies and narratives from Sápmi. It ranges from early travel accounts and Sámi drums in cabinets of curiosities to ethnographic and anthropometrical collecting practices and to contemporary museological and literary representations. Today, such collections and practices are increasingly re-examined and reimagined, as seen in projects like Dávvirat Duiskkas in Norway (Sámi Objects in German Museums) or The Sámi Collection at MEK at the Berlin Museum of European Cultures.
This AK seeks to explore these developments from a diachronic perspective while engaging with decolonial readings and methodological approaches. How has knowledge about the Sámi been constructed, transmitted, and archived within German-speaking contexts, past and present? What roles do colonial epistemologies play in literary, scholarly, and museological practices? And how might decolonial frameworks – such as theories of the archive, translation, or knowledge circulation – be made productive for studying these materials?
Contributions may address travel writing, tourism, ethnological and museum collections, the reception of contemporary Sámi literature, forms of cultural mediation, or theoretical reflections on decolonial research perspectives. The AK aims to critically examine historical and contemporary forms of “collecting” Sápmi and to outline pathways towards a responsible, decolonial informed research practice. We welcome abstracts in German, English and the Scandinavian languages. Depending on the response, the AK will be held in one or a mix of the languages.
Arbeitskreis 7: Historiographie und Identitätsstiftung in Mittelalter und früher Neuzeit
Leitung: Jasper Bothe (CAU Kiel) | Simon Hauke (Universität Münster) | Paul Theissen (HU Berlin)
Kontakt: simon.haukeuni-muensterde
Der vorliegende Arbeitskreis befasst sich mit der identitätsstiftenden Fakultät von Geschichtsschreibung im vormodernen Skandinavien. Seit Längerem ist bekannt, dass Historiographie ihre Inhalte in Antwort auf jeweils zeitgenössische Fragestellungen konstruiert, anstatt – nach Leopold von Ranke – schlicht zu schildern, „wie es eigentlich gewesen“ ist. Diese Konstruktionen dienen der Selbstverortung von Kollektiven in der Geschichte und damit der Stiftung von Gruppenidentitäten. Da dies für die vormoderne noch stärker als für die moderne Geschichtsschreibung gilt, untersucht der Arbeitskreis die Historiographie in der Periode vom Entstehen der ersten Schriftquellen im 12. Jahrhundert bis zur zunehmenden Integration skandinavischer Geschichte in einen europäischen Gelehrtendiskurs im 18. Jahrhundert, der die Ausbildung der modernen Wissenschaften nach sich zieht. Dieser Rahmen ermöglicht eine eingehende Untersuchung der nordisch-vormodernen Konstruktion historisch begründeter Identitäten unter Berücksichtigung der sie kennzeichnenden Konstitutionsbedingungen in ihren Eigenlogiken und ihrer spezifischen historischen Bedingtheit.
Mögliche Fragestellungen betreffen das vormoderne Geschichtsverständnis und die Mittel der Konstruktion von Geschichte („Wie werden durch Geschichtsschreibung Identitäten geschaffen?“), die Konturierung der durch solche Identitätsstiftungen angesprochenen Kollektive („Welche Gruppen werden ein- oder ausgeschlossen?“), intertextuelle Bezüge („Wie nehmen neue Texte auf bestehende Geschichtskonstruktionen Bezug?“) oder die handschriftliche Überlieferung („Warum und in welchen Zusammenhängen werden bestimmte Texte und ihre Geschichtsbilder tradiert?“). Durch das Zusammenführen verschiedener einander ergänzender kulturwissenschaftlicher Perspektiven soll ein besseres Verständnis der vormodernen skandinavischen Geschichtsschreibung im Hinblick auf die Aushandlung von Identitäten ermöglicht werden.
Leitung: Madita Knöpfle (Universität Zürich) | Nora Kauffeldt (Universität Basel / HU Berlin)
Kontakt: madita.knoepfleds.uzhch
Fragen nach Materialität, Medialität und Textualität werden in der Mediävistik seit Jahrzehnten intensiv diskutiert, sind aber in erzähltheoretischen Ansätzen bislang nur selten aufgegriffen worden. Die material philology richtet den Blick auf die Bedingungen vormoderner Textproduktion und -überlieferung. Sie geht davon aus, dass Texte in materiellen, medialen und performativen Kontexten verankert sind und damit keine festen, abgeschlossenen Werke, sondern offene, fluide Gebilde darstellen.
Ein solcher materiell informierter Ansatz eröffnet neue Wege für das Verständnis vormoderner Erzählpraktiken. Viele erzähltheoretische Studien innerhalb und außerhalb der skandinavistischen Mediävistik beruhen aber weiterhin auf normalisierten Texteditionen (z.B. Íslenzk fornrit), wodurch die Dynamik und Vielfalt der (materiellen) Überlieferung als Aspekt des Erzählens vernachlässigt wird. Eine stärkere Einbeziehung der Handschriften und frühen Drucke wie auch der kulturellen Kontexte würde dagegen ermöglichen, narrative Strukturen und Entwicklungen unmittelbar aus den historischen Überlieferungssituationen heraus zu verstehen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie eine zugleich materiell und historisch informierte Narratologie zu entwickeln ist, – eine Erzähltheorie, die die Materialität und historische Situiertheit der Texte nicht als Hintergrundrauschen, sondern als konstitutiven Bestandteil des Erzählens begreift.
Der Arbeitskreis möchte ein Forum bieten, um über Formen und Funktionen des Erzählens in der skandinavischen Vormoderne zu diskutieren: über das Zusammenspiel von Materialität und Narrativität, über Schreib- und Lesepraktiken, Medialität und Textualität. Willkommen sind theoretische, methodische und auch exemplarische Beiträge, die zu einem besseren Verständnis vormoderner Erzähl- und Schreibkultur in Skandinavien beitragen möchten.
Leitung: Frederike Felcht (Universität Frankfurt) | Sotirios Mouzakis (Universität Münster)
Kontakt: sotirios.mouzakisuni-muensterde
Democracy is more than just a form of government; it comprises diverse forms of coexistence that are also mediated through art, literature, film, etc. These forms and their mediations are used, amongst other things, to negotiate and debate who or what belongs to the demos and where and for what reasons freedom should end. Our workshop focuses on the aesthetics of these articulations. We pay particular attention to Scandinavia, a region that sometimes is attributed a special role, for example when it comes to the form of the welfare state, the political significance of compromise, equality, or happiness. Our understanding of aesthetics is broad, ranging from everyday cultural phenomena and spaces such as toys and playgrounds to media formats such as films and television series to literary texts in the narrower sense. We want to discuss the functions of such phenomena for democracy/democratic life and also reflect on the role that Scandinavian Studies could play in democratic coexistence.
We welcome contributions from researchers at all stages of their careers, and would in particular like to encourage early-career researchers to participate.
Working languages: German, English, Scandinavian (depending on the participants' preferences)
Leitung: Benedikt Jager (Universität Stavanger) | Marlene Hastenplug (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Kontakt: benedikt.jageruisno
Nicht nur der Westen leuchtete in der DDR, sondern auch der Norden – vielleicht sogar heller. Claudia Rusch hat in Meine freie deutsche Jugend (2004) die Sogkraft der Schwedenfähre geschildert, Lutz Seiler in Kruso (2014) die oft lebensgefährlichen Surfbrettfluchten nach Dänemark thematisiert. Während für viele DDR-Bürger die skandinavischen Länder kapitalistische Gesellschaften mit menschlichem Antlitz waren, suchten Teile der nordeuropäischen Linken eben diesen Sozialismus in der DDR.
Eine Arbeitstagung an der Universität Greifswald, wo das wichtigste nordische Institut der DDR beheimatet war, stellt den idealen Rahmen dar, um die komplexen literarischen Beziehungen zwischen der DDR und den nördlichen Nachbarn erneut zu untersuchen. Hierbei soll das Augenmerk auf den Transfer von Norden nach Süden gerichtet werden. Durch die willentlich wenig trennscharf gewählte Bezeichnung ‚literarische Beziehungen‘ soll ein möglich weites Feld eröffnet werden, das folgende Themenbereiche aufgreifen könnte:
- Publikation skandinavischer und finnischer Literatur in der DDR (Kontinuitäten und Zäsuren; Zensur; Kämpfe um Texte und Autoren; unbekannte Bestsellerautoren usw.)
- Publikationskanäle: (Die führenden Verlage wie «Volk & Welt» und «Hinstorff Verlag»; Romanzeitung; Hörspiele im staatlichen Rundfunk der DDR)
- Übersetzende und Übersetzungen (Akteure; ein ostdeutscher Übersetzungsstil? Zensureingriffe)
- Fachgeschichte (Die Nordistik Institute der DDR; fachliche Partnerschaften mit Nordeuropa; die IASS-Konferenz 1982 in Greifswald)
- Skandinavische Dramatik auf den Bühnen der DDR (Bestandsaufnahme; Skandale; Aufführungsstudien)
Der Arbeitskreis sollte sich demnach durch eine Vielfalt von methodologischen und theoretischen Ansätzen (Übersetzungstheorie; Buchwissenschaft; Performativitätstheorie; Akteur-Netzwerk-Theorie) auszeichnen und zum produktiven Austausch zwischen diesen anregen
Leitung: Eline Elmiger (Universität Basel) | Lucia Santercole (Universität Basel) | Amrei Stanzel (HU Berlin)
Kontakt: skandi.cronshgmailcom
Germanisches Altertum, Snorris Autorschaft, Ibsen als feministischer Vorreiter: Bestimmte Narrative und Konzepte haben ihren Weg in die skandinavistische Forschung gefunden und sich als wissenschaftliche Paradigmen etabliert, die die fachlichen Diskurse bis heute prägen. Manche sind wiederkehrend, etwa die Frage der Mündlichkeit und Schriftlichkeit in Entstehungsdebatten innerhalb der altnordischen Philologie und Folkloristik. Andere Deutungsmuster oder Ansätze wiederum finden vorübergehend Resonanz, bevor sie aus dem Fachdiskurs verschwinden, wie rein biographistische Zugänge zur modernen skandinavischen Literatur.
Der Arbeitskreis „Konzepte, Paradigmen, Forschungsnetzwerke“ widmet sich Fragen der skandinavistischen Fachgeschichte, die über reine Institutsgeschichte hinausgehen. Im Fokus stehen Forschungsinhalte und -praktiken: Welche fortwirkenden Konzepte prägen das Fach und wie sind sie entstanden? Welche wissenschaftlichen turns wurden in der Skandinavistik vollzogen und welche nicht? Was findet in Folge Eingang in Handbücher, und was bleibt ausgespart? Welche Rolle spielen wissenschaftliche Netzwerke in diesen Prozessen? Vor allem: Welche Erkenntnisse können aus der Wissenschaftsgeschichte gewonnen werden, wenn hinter Genienarrative und ähnliche Topoi geblickt wird? Kann der Blick auf die skandinavistische Wissenschaftsgeschichte als eine history of failures gewinnbringend sein?
Eingeladen sind Beiträge, die kritische oder innovative Perspektiven auf Fachgeschichte verhandeln. Dies kann die Nachzeichnung eines bestimmten Paradigmas oder Konzepts sein, das Kontexte und Diskurse der wissenschaftlichen Produktion einbezieht, oder die Analyse eines Einzelbeispiels, etwa eines Briefs, eines Archivs oder eines anderen Knotenpunkts in einem breiteren Forschungsnetzwerk.
Leitung: Rebecca Merkelbach (Universität Tübingen) | Daniela Hahn (LMU München)
Kontakt: rebecca.merkelbachuni-tuebingende
Obwohl das populäre Interesse an altnordistischen Themen seit Jahren groß ist, verzeichnen viele deutschsprachige Institute niedrige Studierendenzahlen, vor allem in fortgeschrittenen Studienphasen. Überall stellen sich ähnliche Fragen nach der Gewinnung und Bindung von Studierenden, der Lehre in kleinen Gruppen, oder Lehrkooperationen über Disziplinen und Standorte hinweg. Zugleich steht das Fach vor gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen im Kontext des Erstarkens der extremen Rechten und des Aufkommens von Sprachmodellen (sog. KI), denen wir uns aktiv und verantwortungsvoll stellen müssen.
Diesen Herausforderungen stehen wir mit immer weniger Lehrenden und Standorten gegenüber, die zudem von Kürzungen und Schließungen bedroht sind. Die thematische und methodische Vielfalt der Altnordistik lässt sich lokal selten abbilden. Umso wichtiger ist es, in Zukunft nicht primär auf Krisen zu reagieren, sondern aktiv Perspektiven für unser Fach zu entwickeln und neue Ideen und Kooperationen in der Lehre zu erproben.
Dieses Forum ist als offenes Gesprächsformat angelegt. In drei moderierten Roundtable-Diskussionen mit kurzen Impulsbeiträgen können Erfahrungen, Ideen und Perspektiven ausgetauscht werden.
- Lehrprojekte & Kooperationen in der Altnordistik
(Kurze Vorstellungen erfolgreicher Projekte und Lehrkooperationen) - Politische und technologische Veränderungen
(Umgang mit ideologischer Vereinnahmung, Einsatz und Auswirkungen von KI) - Netzwerke & Ressourcenpools
(Ideen zur gemeinsamen Entwicklung und Bereitstellung von Lehrmaterialien; Formate für den Einbezug von Studierenden)